29: Seven 1 – Dunkle Vorzeichen (Fritzi Records, Romantruhe Audio)

Oh Mann! Immer wenn wir gerade denken “Okay, wahrscheinlich haben wir jetzt alle nennenswert bekloppten und lustig verwurstbaren Hörspiele des Grauens in der Hörspielkammer des Schreckens behandelt”, dann kommt unter irgendeinem Stein dieser Welt eine neue und hochmotivierte Truppe von enthusiastischen Machern hervor und haut ein Werk raus, dass uns nicht nur nicht begeistern kann, sondern nicht eher wieder ruhig schlafen lässt, bis wir mindestens den Text der dazugehörigen Hörspielkammer des Schreckens geschrieben haben. Und völlige Ruhe haben wir erst an dem Tag, an dem diese Kammer auch erschienen ist.

Tja, und so ein Musterbeispiel ist das diesmal behandelte Hörspiel “Seven – Das Ende aller Tage – Folge 1: Dunkle Vorzeichen” aus der Feder von “Tascha Grey” a.k.a. Selina Goetz, die sich ansonsten mit anderen motivierten Amateuren im TraumTHEATER Hanau e.V. herumzutreiben scheint. Welcher Qualität die Produktionen dieses Theaterensembles sind, haben wir nicht weiter recherchiert, aber die Qualitäten als Hörspielmacher haben auch nicht wirklich dazu eingeladen, sich das auch noch anzutun.

Da hilft dann auch nicht, dass einer der “Schnittkäse” dieser Produktion niemand Geringeres als Tom Steinbrecher ist, ein von uns ziemlich geschätzter und umtriebiger Kerl aus der Hörspielszene. Oder hat der Arme mitlerweile so viel Müll auf dem Schneidetisch gehabt, dass der einfach gar nichts anderes mehr kann, als diese Art uninspirierter 08/15-Abmischung rauszubröseln? Macht er mittlerweile zwei dieser Hörspiele pro Tag? So klingen sie zumindest, aber das wäre wie immer nur eine Erklärung, keine Entschuldigung.

Nüchtern und objektiv betrachtet ist dieses Hörspiel durchaus ein gelungenes Vorzeigeprojekt. Allerdings aus folgender (zugegeben etwas unknackiger) Kategorie:

Erstlingswerk ambitionierter Neulinge der Hörspielbranche,
die alle Probleme und Fehler bei solchen Erstlingswerken machen –
und auch machen dürfen, weil es ja ein Erstlingswerk von Neulingen ist!

Das Problem ist allerdings, dass die Truppe, die das Hörspiel produziert hat, schon im Klappentext auf der CD mit Sätzen wie “‘Seven’ […] ist eine epische Erwachsenen-Hörspielerzählung im Stil von komplexen HBO– und Netflix-Serien. Eine fesselnde Mystery-Geschichte mit surrealen Elementen (David Lynchs ‘Twin Peaks’ lässt grüßen) und einer enormen Prise schwarzem Humor im Quentin-Tarantino-Style” jenseits jeglicher realistischen Selbsteinschätzung für sich eher folgende Kategorie in Anspruch nehmen will:

Meisterwerk ambitionierter Könner der Hörspielbranche,
die alle Probleme und Fehler vergleichbarer Werke vermeiden
und das auch können, weil es ja ein Meisterwerk von Könnern ist!

Klappern gehört zum Handwerk, aber hier wurde nicht geklappert, sondern mit einer Klatsche in der Größe des Jupiters auf die Erde eingedroschen. Und das völlig unberechtigt, wie die vorliegende Hörspielkammer des Schreckens jenseits aller ätzend-bissig-satirischen Verpackungen schön anschaulich mit Hörbeispielen und entsprechenden Analysen belegt.

Aber seht und hört am besten selbst, Leute.

Hier findest du die Hörspielkammer als Video:

https://www.hoerspielkammer.de/videos/hds29.wmv

Play

Post a Comment