HÖRSPIELKAMMER DES SCHRECKENS

In dieser Kammer werden Gerichtsverfahren gegen die unterschiedlichsten Hörspielstraftaten verhandelt.

Vom unbemüht wegproduzierten Werk bis hin zum ambitionierten, aber gnadenlos vergeigten Epos – endlich gibt es eine Anlaufstelle für Geschädigte, die es nicht länger hinnehmen wollen, was unter dem Deckmantel des “Herzbluts” von so manchem Hobby-Produzenten verbrochen wird.

Warum?

Zu allererst mal: warum nicht?

Wir haben in den letzten Jahren so viele teilweise hochgradig schlechte Produktionen anderer Hörspielmacher gehört, dass uns irgendwann der Kragen geplatzt ist. Und es war nicht nur die Erkenntnis, wie wenige Macher da draußen ernsthaft für einen Hörer produzieren und nicht bloß für sich selbst, das eigene, selbstgefällige Onanieren vor dem Spiegel. Es war erst recht die jährlich deutlicher werdende Unart, dass Hobbyrezensenten irgendwann jeden noch so mies umgesetzten Scheißdreck über den grünen Klee lobten – augenscheinlich, weil der Hobbyrezensent sich toll vorkam, wenn der Macher so eines völlig zu Unrecht gelobten Werkes ihn als loyalen Mitstreiter aus der Hörspielblase ansah.

Da gab es 5-Stern-Rezensionen auf Amazon zu Produktionen, die wir nur unter Schmerzen überhaupt bis zum Schluss ausgehalten haben. Und im Juli 2016 kam die Idee auf, dass wir unsere Lektoratsfähigkeiten (zehn Jahre Hörspielproduktion lagen hinter uns) darauf verwenden wollten, um andere Produktionen kritisch zu analysieren. Frei nach Kalkofes und Rüttens “SchleFaZ” (Die schlechtesten Filme aller Zeiten) kreierten wir “SchleHaz” (Die schlechtesten Hörspiele aller Zeiten).

In regelmäßigen Abständen hörten wir von da an Produktionen, denen wir schon vor der Veröffentlichung ansahen, dass die mal wieder volles Rohr scheiße werden würden. Und anschließend schrieben wir eine Rezension, sehr ausführlich und gespickt mit Sarkasmus, Ironie und Detailverlebtheit. Eigentlich war unser Plan, diesen Gefälligkeitsrezensionen einen Pol entgegenzusetzen. Doch leider ging der Schuss nach hinten los: die üblichen Verdächtigen in den Hörspielforen liefen regelrecht Amok, als SchleHaZ die Runde machte. Was der Typ sich denn einbilden würde, so liebevolle Produktionen runterzubuttern etc. Was haben wir in knapp einem Jahr nicht für einen hysterischen Bullshit gelesen zum Thema SchleHaZ. Und vor lauter Empörung über das Format generell schafften diese Heinis es tatsächlich, die Augen/Ohren vor den objektiven (und in jeder Rezension VERNICHTEND PEINLICHEN) Kritikpunkten zu verschließen, stattdessen wurde sich halt am Stil der Rezension gestört oder an einer subjektiven Sache. Es war mehr als offensichtlich, dass wir es da augenscheinlich mit einer seltsamen Gruppe zu tun hatten. Diese Gruppe schien tief in sich drinnen zu ahnen, wie mangelhaft die Produktionen wirklich waren, um die es ging. Aber entweder, man fand den Fehler selber, oder man stritt ab, dass es so viele seien. Diese Hörspielblase, die wir da ein Jahr lang beobachten mussten, hat uns mehr als erschreckt, denn es scheint ein Haufen abgestumpfter Typen zu sein, der lieber hochaggressiv wird, als anderer Leute kritische Meinungen zum schöngeredeten Hörspiel-Heiligtum hinzunehmen.

Anfang 2017 begannen wir, Parodievideos zu Hörspielclips auf Youtube zu drehen. Wieder stand Kalkofe Pate, seine “Mattscheibe” hat uns in unserer Jugend sehr geprägt. Und: ach du liebe Güte, man ahnt ja nicht, was DANACH los war! SchleHaZ wurde von Platz 1 der meistgehassten Gesellen der Hörspiel-Pegidas gestoßen, jetzt waren wir mit unseren echten Hackfressen die Zielscheibe der Hörspielheinis. Wer es scheiße fand, kotzte sich aus. Wer es gut fand, hielt den Mund, denn so konnte man sichergehen, in den Foren nicht gelyncht zu werden.

Aufgrund der nicht weiter wachsenden Fanschar und den immer weniger werdenden Original-Videos stellten wir das Format Mitte des Jahres wieder ein.

Doch zu diesem Zeitpunkt war zu viel geschehen. Wir hatten uns so viele Fragen gestellt bezüglich der eigenen Ansprüche, der Fanbasis und so weiter. Und immer stechender wuchs in unseren Köpfen der Gedanke, dass wir Hörspiele nicht mehr produzieren wollen, da wir sie zum einen nicht einfach so in der tollen Qualität hinbekommen würden, die wir wollen, und zum anderen die Fans, die sich regelmäßig melden, einfach zu wenige sind. Außerdem hatten wir Blut geleckt: Satire, Parodie, Texten hintersinniger Zeilen, das alles war so viel erfüllender als das Werkeln an drögen Hörspielen.

Und nachdem Mitte August 2017 der Entschluss verkündet  wurde, dass wir keine Hörspiele mehr produzieren werden, da gab es auch keinen Grund mehr, SchleHaZ im Geheimen zu machen, denn die Botschaft hinter SchleHaZ ist nach wie vor wichtig:

Es gibt viel zu viele schlechte Produktionen und viel zu wenig Hörer, denen das auffällt!

Aber jetzt gibt es die HÖRSPIELKAMMER DES SCHRECKENS, und wer Lust hat, auf augenzwinkernde Art und Weise einzutauchen in eine ganz spezielle Art des “Lektorats”, der wird am Ende vielleicht sogar seine eigenen Ansprüche hinsichtlich seiner Hörgewohnheiten schärfen – und vielleicht sogar die eine oder andere offensichtlich mangelhafte Produktion ab sofort nicht mehr kaufen. Denn der Nichtkauf ist das stärkste aller Signale.

WACHT AUF! HÖRT AUF, ALLES GEIL ZU FINDEN! IM FERNSEHEN FINDET IHR AUCH NUR EINEN BRUCHTEIL GUT, ALSO STELLT EUCH DER REALITÄT: EURE HÖRSPIELMACHER SIND NICHT HALB SO GUT, WIE IHR ES EUCH EINREDET.