Die Kammer

Viele Hörspiele sind reine Verbrechen an der Hörerschaft. Das ist bekannt. Und doch werden sie teilweise seit Jahrzehnten von der Hörspielszene toleriert und sogar gefeiert. Einige der Halunken, die für all das Unheil verantwortlich sind, haben sich dabei als Wiederholungs- oder schlimmer noch Serientäter entpuppt. Ist also alles verloren? Nach dem Motto „Lasst, die Ihr die Playtaste drückt, alle Hoffnung fahren“?!

Die kurze Antwort:
Ja.

Die lange Antwort:
Ja. Aber es gibt eine Institution, die seit einiger Zeit dafür sorgt, dass all diese Verbrechen zumindest nicht mehr verschwiegen werden und hoffentlich auch niemals in Vergessenheit geraten.

Die Hörspielkammer des Schreckens deckt schonungslos alle Schwächen der furchtbaren Produktionen auf und nennt deutlich Ross und Reiter. In dem Fall das tote Ross, das von einem Reiter ohne Arme und Beine geritten wird, versteht sich…

Dabei nehmen der dauerenttäuschte Richter, der desillusionierte Staatsanwalt und nicht zuletzt der trantütige Pflichtverteidiger alle relevanten Aspekte der verhandelten Produktionen unter die Lupe. Und die wurstigen Autorinnen und Autoren höchstselbst bekommt die Chance, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verteidigen.
Jede Verhandlung schildert dabei den kompletten Verlauf des Hörspiels und vermittelt somit den gesamten Inhalt der Produktion. Ein vorheriges Hören ist somit also nicht zwingend nötig. Ein anschließendes Hören allerdings eigentlich auch nicht, da ja nicht nur fast alles gespoilert wird, sondern am Ende auch noch zweifelsfrei feststeht, dass die verhandelte Gurke ein ungenießbares Stück Hörspieldreck ist. Aber andererseits muss man die meisten Hörspielverbrechen zumindest dann selbst hören, wenn man das in den Kammern thematisierte wirklich glauben will!

Die Hörspielkammer des Schreckens listet nicht nur immer wieder fachkundige Kritikpunkte zur Inszenierung, Besetzung etc. auf, sondern funktioniert ebenso vortrefflich als eigenständiges Hörvergnügen. Die sorgfältig inszenierten Gerichtsverhandlungen mit ihren skurrilen und sympathischen Charakteren sowie den mal scharfzüngigen, mal albernen Texten sind dabei im Grunde selbst kleine Hörspiele. Nur in gut!

Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: „Die Kammer zu hören ist, wie jeden Freitag eine prächtige Schachtel zu öffnen und knapp eine Stunde lang dabei zu sein, wenn in ihr ein Flohzirkus außer Rand und Band seine irre Vorstellung präsentiert.“
Ein anderer und nicht minder kluger Mensch hat ergänzt, dass einige der Flöhe während der Vorstellungen aus der Schachtel gelangen, um all die Hörspielverbrecher da draußen ordentlich zu beißen.
Okay – die beiden Menschen waren wir selbst, aber das Bild ist doch trotzdem gut, oder?

Ja, ja: Auch wenn wir die Hörspielszene nicht ändern können, können wir unseren Spaß mit ihr haben – genau wie ihr, wenn ihr die Hörspielkammer des Schreckens hört.

 

Und niemals vergessen:
Hörspiel verjährt nicht!!!

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